Die digitale Landschaft hat sich rasant entwickelt und bietet Unternehmen wie Privatpersonen zahlreiche Möglichkeiten. Doch mit jedem Fortschritt gehen auch Herausforderungen einher. Cyberkriminalität hat sich stetig weiterentwickelt und nimmt immer mehr zu. Laut dem offiziellen Jahresbericht zur Cyberkriminalität 2019 werden die Kosten bis 2021 jährlich 6 Billionen US-Dollar betragen, gegenüber 3 Billionen US-Dollar im Jahr 2016. Dieser Beitrag soll die Frage beantworten, wie viele Schritte der forensische Untersuchungsprozess zur Bekämpfung dieser Straftaten umfasst.
Digitale Forensik ist ein entscheidender Bestandteil im Kampf gegen Cyberkriminalität und bei der Behebung von Cybersicherheitsvorfällen. Sie umfasst die Untersuchung, Sicherung und Analyse digitaler Beweismittel, um den Tatort nachzuvollziehen. Im Wesentlichen geht es darum, den Tathergang anhand einer systematischen Abfolge von Schritten zu rekonstruieren. Dieser Artikel erläutert den umfassenden sechsstufigen Prozess der forensischen Untersuchung im Bereich Cybersicherheit und zeigt dessen Bedeutung für die Abwehr von Bedrohungen in der modernen digitalen Infrastruktur auf.
Schritt 1: Identifizierung
Der erste Schritt im forensischen Untersuchungsprozess besteht darin, festzustellen, dass ein Vorfall stattgefunden hat. Unabhängig davon, ob es sich um eine geringfügige oder schwerwiegende Sicherheitsverletzung handelt, ist der Einsatz von Werkzeugen und Techniken zur Erkennung ungewöhnlicher Aktivitäten und Protokollanomalien erforderlich. Dieser Schritt leitet im Wesentlichen die Erkennung und Abgrenzung komplexer Muster aus einer Vielzahl von Protokoll- und Ereignisinformationen ein.
Schritt 2: Konservierung
Nach der Identifizierung ist die Beweissicherung von höchster praktischer Bedeutung. Ziel ist es, jegliche Veränderung, Beschädigung oder Verlust der Beweismittel zu verhindern. In dieser Phase werden Systemabbilder erstellt, Hashwerte dieser Abbilder generiert und die Beweismittel systematisch für spätere Verwendung gespeichert und geschützt. Zudem wird die Dokumentation aller Aktionen und Änderungen sichergestellt, um die Beweiskette zu gewährleisten.
Schritt 3: Untersuchung
Der dritte Schritt umfasst eine eingehende Untersuchung der digitalen Beweismittel. Es ist notwendig, die Ereignisse anhand der gesammelten Daten zu rekonstruieren, um Theorien über den möglichen Vorfall zu entwickeln. Dabei werden die Beweismittel mithilfe verschiedener forensischer Werkzeuge gründlich analysiert, wodurch wichtige Details wie die Quelle des Sicherheitsverstoßes oder die während des Vorfalls durchgeführten Aktionen ans Licht kommen.
Schritt 4: Analyse
Die Analyse konzentriert sich auf die Überprüfung der in der Untersuchungsphase aufgestellten Hypothesen. Mithilfe einer Vielzahl digitaler forensischer Werkzeuge und spezialisierter Techniken extrahiert und analysiert der Ermittler potenzielle Beweismittel eingehend. Er muss in der Lage sein, diese anfänglichen Annahmen sowohl zu bestätigen als auch zu widerlegen und entscheidende Erkenntnisse zu gewinnen, die den Tathergang aufklären.
Schritt 5: Berichterstattung
Nach der Analyse beginnen die ausführliche Dokumentation und Berichterstattung der Ergebnisse. Jedes Ergebnis, jede Abweichung, jedes verwendete Werkzeug, jede Methode und jede Strategie wird im Bericht festgehalten. Dieses Dokument ist von entscheidender Bedeutung, da es vor Gericht als Beweismittel dienen kann. Die Gewährleistung von Klarheit, Konsistenz und Integrität des Berichts ist daher unerlässlich.
Schritt 6: Präsentation
Der letzte Schritt besteht darin, die Ergebnisse verschiedenen Interessengruppen – seien es Kunden, Kollegen oder ein Gericht – verständlich und unkompliziert zu präsentieren. Ziel ist es, den gesamten Ablauf des Vorfalls überzeugend darzustellen und zu erläutern und die jeweilige Hypothese zu beweisen oder zu widerlegen. Dies erfordert klare Kommunikationsfähigkeiten, da die Komplexität forensischer Untersuchungen für Laien oft schwer verständlich ist.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Bewältigung der rasanten Entwicklung von Cyberbedrohungen ein tiefes Verständnis der einzelnen Schritte des forensischen Untersuchungsprozesses und deren präzises Zusammenspiel erfordert, um einen robusten Verteidigungsmechanismus zu bilden. Die sechs Phasen – Identifizierung, Sicherung, Untersuchung, Analyse, Berichterstattung und Präsentation – bilden den Kern jedes forensischen Untersuchungsprozesses und sind jeweils entscheidend für die Bekämpfung von Cyberkriminalität. Ein fundiertes Verständnis und die konsequente Anwendung dieser Schritte können die Effizienz der Abwehr von Cyberbedrohungen erheblich steigern und letztendlich die Integrität der digitalen Infrastruktur schützen.