Das Verständnis von Umfang, Tragweite und Schweregrad von Sicherheitsvorfällen im Bereich der Cybersicherheit ist für jede Organisation entscheidend, um diese Vorfälle zu verhindern, darauf zu reagieren und sie zu beheben. Im Zentrum des Umgangs mit diesen Sicherheitsproblemen stehen die Phasen des Vorfallmanagements. Dieser Leitfaden erläutert diese entscheidenden Phasen und ihre Rolle im Kontext der Cybersicherheit.
Das Konzept des Incident-Managements ist nicht neu. Varianten davon werden seit Langem in Bereichen wie Rettungsdiensten und Gesundheitswesen eingesetzt. Im Wesentlichen handelt es sich dabei um eine Reihe strukturierter Schritte und Prozesse zur Reaktion auf und Behebung von Vorfällen. Im Kontext der Cybersicherheit bezeichnet ein „Vorfall“ ein Ereignis, das die normalen Funktionen eines Systems oder Netzwerks beeinträchtigen oder unterbrechen könnte.
Phase 1: Vorbereitung
Die erste Phase des Incident-Managements ist die Vorbereitung. Es mag zunächst widersprüchlich erscheinen, die Vorbereitung als Phase der Reaktion auf Vorfälle zu betrachten, doch sie ist tatsächlich eine der wichtigsten. In dieser Phase werden Notfallpläne entwickelt, die notwendigen Tools eingerichtet, Rollen und Verantwortlichkeiten definiert und das Reaktionsteam geschult. Um eine proaktive Cybersicherheit zu gewährleisten, muss sich ein Unternehmen intensiv auf die Vorbereitung konzentrieren.
Phase 2: Detektion
Nach der Vorbereitung folgt die Erkennungsphase, in der mögliche Vorfälle aufgedeckt werden. Hierbei kommen Technologien wie Intrusion-Detection-Systeme (IDS), Security Information and Event Management (SIEM)-Systeme und automatisierte Analysetools zum Einsatz, um ungewöhnliche Aktivitäten zu identifizieren, die auf einen Cybersicherheitsvorfall hindeuten könnten. Eine rechtzeitige Erkennung kann verhindern, dass sich ein Vorfall zu einem schwerwiegenden Sicherheitsvorfall oder Angriff ausweitet.
Phase 3: Analyse
In der dritten Phase, der Analyse, untersucht und bewertet das Incident-Management-Team das identifizierte Ereignis genauer. Ziel ist es, zu überprüfen, ob es sich tatsächlich um einen Sicherheitsvorfall handelt, dessen potenzielle Auswirkungen abzuschätzen und die Ursache zu ermitteln. In dieser Phase können digitale Forensik-Tools eingesetzt werden, um die Details des Vorfalls eingehend zu analysieren.
Phase 4: Eindämmung
Sobald ein Ereignis als Vorfall bestätigt wurde, beginnt die Eindämmungsphase. Ziel dieser Phase ist es, den Umfang des Vorfalls zu begrenzen und seine Ausbreitung innerhalb des Systems oder Netzwerks zu verhindern. Um weiteren Schaden zu vermeiden, können temporäre Lösungen oder Umgehungslösungen eingesetzt werden, während nach einer dauerhaften Lösung gesucht wird.
Phase 5: Ausrottung
Die Beseitigungsphase ist die Phase, in der die eigentliche Ursache des Vorfalls beseitigt wird. Dies kann die Entfernung von Schadsoftware aus dem System, das Schließen von Sicherheitslücken oder die Behebung anderer Probleme umfassen, die den Vorfall begünstigt haben. Aufgrund ihrer Natur ist diese Phase wohl der technisch anspruchsvollste Aspekt des Vorfallmanagements.
Phase 6: Erholung
Nach der Beseitigung des Fehlers verlagert sich der Fokus auf die Wiederherstellungsphase. Die betroffenen Systeme oder Dienste werden in ihren Zustand vor dem Vorfall zurückversetzt, vorausgesetzt, die Ursache wurde beseitigt. Dieser Prozess kann die Wiederherstellung von Systemen aus sauberen Backups, den kompletten Neuaufbau von Systemen oder andere Wiederherstellungsverfahren je nach Art des Vorfalls umfassen.
Phase 7: Erkenntnisse
Die letzte Phase des Vorfallmanagements wird üblicherweise als „Lessons Learned“ oder Nachbereitung des Vorfalls bezeichnet. Sie umfasst die Dokumentation der Vorfalldetails und der Reaktion darauf, die Überprüfung des gesamten Prozesses auf etwaige Lücken oder Mängel sowie die Aktualisierung des Vorfallreaktionsplans auf Grundlage der gewonnenen Erkenntnisse, um zukünftige Reaktionen zu verbessern.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Verständnis und die korrekte Umsetzung der Phasen des Incident-Managements grundlegend für die Aufrechterhaltung der Cybersicherheit sind. Sie versetzen ein Unternehmen nicht nur in die Lage, effektiv auf Vorfälle zu reagieren, sondern ermöglichen ihm auch die kontinuierliche Verbesserung seiner Reaktionsfähigkeit . Der Kampf gegen Cyberbedrohungen ist ein fortlaufender Prozess, und zu wissen, wie man Vorfälle im Ernstfall bewältigt, ist ein entscheidender Schritt, um diesen Kampf nicht zu verlieren.