Täglich kämpfen Unternehmen weltweit mit den rasant wachsenden Bedrohungen im Bereich der Cybersicherheit. Zwei anerkannte Standards der Sicherheitsbranche, das National Institute of Standards and Technology (NIST) und das Center for Internet Security (CIS), bieten Rahmenwerke zur Bewältigung dieser Bedrohungen. Doch oft stellt sich die Frage: NIST oder CIS – welche Option ist die bessere für mein Unternehmen? In diesem Beitrag vergleichen wir NIST und CIS im Bereich der Cybersicherheit.
Das NIST, eine dem US-Handelsministerium unterstellte Behörde ohne Regulierungsfunktion, bietet einen Rahmen zur Verbesserung der Cybersicherheit kritischer Infrastrukturen, den sogenannten „Framework for Improving Critical Infrastructure Cybersecurity“, kurz NIST Cybersecurity Framework. Dieser Rahmen strukturiert die Cybersicherheit anhand von fünf Funktionen: Identifizieren, Schützen, Erkennen, Reagieren und Wiederherstellen. Er unterstützt Unternehmen dabei, Cybersicherheitsrisiken im Kontext ihres Geschäftsumfelds zu verstehen und zu managen.
Andererseits ist CIS eine gemeinnützige Organisation, die 20 kritische Sicherheitskontrollen bereitstellt. Diese Kontrollen stellen empfohlene Maßnahmen zur Abwehr der häufigsten Angriffe dar. Sie sind so konzipiert, dass sie sich in bestehende Frameworks wie NIST integrieren lassen und bieten konkrete taktische, technische und praxisorientierte Kontrollmöglichkeiten.
Detaillierter Vergleich von NIST und CIS
Lassen Sie uns den detaillierten Vergleich hinsichtlich einiger Schlüsselelemente betrachten:
Umfang
Das Rahmenwerk des NIST dient der Unterstützung von Organisationen bei der Bewältigung und Reduzierung von Cybersicherheitsrisiken und konzentriert sich auf drei Kernbereiche: Cybersicherheit, physische Sicherheit und Personensicherheit. Es ist umfassend und auf alle Arten von Bedrohungen anwendbar.
CIS hingegen konzentriert sich stärker auf bekannte, spezifische Cybersicherheitsbedrohungen und bietet eine Reihe von Kontrollmaßnahmen zur Minderung dieser Bedrohungen. Diese Kontrollmaßnahmen sind sehr taktischer und technischer Natur.
Anwendbarkeit
Das NIST-Cybersicherheitsframework ist branchenübergreifend und für Organisationen jeder Größe und Art anwendbar. Seine Prinzipien und bewährten Verfahren können von jeder Organisation genutzt werden, die ihre Cybersicherheit verbessern möchte.
Die CIS-Kontrollen sind zwar branchenübergreifend anwendbar, eignen sich aber besonders für IT- und Sicherheitsteams, die Systeme und Netzwerke verwalten. Sie sind insbesondere für Organisationen mit ausgereiften Sicherheitsprogrammen geeignet.
Flexibilität
NIST bietet ein Rahmenwerk, das an verschiedene Branchen und die individuellen Bedürfnisse einer Organisation angepasst werden kann. Es ist flexibel, und die Implementierung kann je nach Bedarf so umfassend oder so einfach wie nötig ausfallen.
CIS bietet mit seiner Liste an Steuerelementen einen klar definierten Weg, was den Spielraum für individuelle Anpassungen einschränkt. Gleichzeitig vereinfacht dies die Implementierung und ist somit ideal für Organisationen, die eine übersichtliche Liste umsetzbarer Schritte benötigen.
Ansatz
Das NIST verfolgt einen risikobasierten Ansatz und bietet Methoden zur Identifizierung potenzieller Problembereiche und deren umfassender Bewältigung an.
CIS hingegen verfolgt einen bedrohungsbasierten Ansatz, der sich auf die Minderung bekannter Bedrohungen und die Bereitstellung klarer, umsetzbarer Kontrollmechanismen zur Verhinderung dieser Bedrohungen konzentriert.
Implementierungskosten
Das NIST stellt keine spezifischen Werkzeuge oder Lösungen zur Verfügung, daher können die mit der Implementierung verbundenen Kosten je nach den von der Organisation gewählten Methoden und Lösungen variieren.
CIS bietet jedoch spezifische Kontrollen und Unterkontrollen, die den Implementierungsprozess vereinfachen können. Die Umsetzung einiger Kontrollen kann jedoch erhebliche Investitionen erfordern.
Die Wahl zwischen NIST und CIS
Bei der Entscheidung zwischen NIST und CIS müssen zunächst die organisatorischen Bedürfnisse, der Reifegrad des Sicherheitsprogramms, die verfügbaren Ressourcen, die Größe der Organisation und das Ausmaß der Cyberbedrohungen bewertet werden.
NIST ist umfassend und flexibel und eignet sich besonders für Organisationen, die einen ganzheitlichen Ansatz für Cybersicherheit verfolgen. Wenn flexibles Risikomanagement und eine umfassende Implementierung höchste Priorität haben, könnte NIST das Richtige für Sie sein.
Wenn Ihre Organisation einen eher taktischen Ansatz mit spezifischen Kontrollen bevorzugt, ist CIS besser geeignet. Die definierte Liste der Kontrollen lässt sich leichter implementieren, insbesondere wenn die Organisation eine Checkliste mit Aufgaben zur Verbesserung ihrer Cybersicherheitsmaßnahmen wünscht.
Wichtig ist, dass sich diese beiden Rahmenwerke nicht gegenseitig ausschließen und miteinander kombiniert werden können, um die Effektivität der Cybersicherheit zu maximieren.
Abschließend
Zusammenfassend bieten sowohl NIST als auch CIS wertvolle Rahmenwerke zur Verbesserung der Cybersicherheit. Der umfassendere, risikobasierte Ansatz von NIST bietet im Vergleich zum eher taktischen, bedrohungsbasierten Ansatz von CIS unterschiedliche Vorteile. Die Wahl hängt maßgeblich von den Bedürfnissen, Ressourcen und dem aktuellen Sicherheitsstatus Ihres Unternehmens ab. Jedes Rahmenwerk hat seine Stärken, und sie lassen sich auch kombinieren, um eine umfassende und leistungsstarke Methode zur Abwehr von Cyberbedrohungen zu bieten. Obwohl die Debatte „NIST vs. CIS“ weiterhin besteht, bleibt das Ziel dasselbe: die Implementierung eines strategischen Ansatzes gegen Cyberbedrohungen und der Schutz der kritischen Informationen Ihres Unternehmens.