Das Verständnis des Konzepts und der Bedeutung des Drittparteienrisikomanagements in der Cybersicherheit ist für jedes Unternehmen im heutigen digitalen Zeitalter unerlässlich. Abstraktion kann jedoch mitunter ein umfassendes Verständnis dieses Fachgebiets erschweren. Daher kann die Untersuchung von Beispielen für das Drittparteienrisikomanagement wertvolle Einblicke in Bedrohungen und Schutzmaßnahmen im Bereich der Cybersicherheit bieten.
Unternehmen arbeiten täglich mit Drittanbietern zusammen, beispielsweise mit Cloud-Dienstleistern, Zahlungsabwicklern, Datenanalyseunternehmen und anderen. Jede Interaktion mit einem Drittanbieter birgt potenzielle Risiken für das Unternehmen. Wird ein Drittanbieter Opfer eines Sicherheitsverstoßes, können sich die Folgen auch auf die Unternehmen ausweiten, mit denen er zusammenarbeitet. Genau dieser Dominoeffekt macht ein effektives Drittanbieter-Risikomanagement unerlässlich.
Beispiel 1: Der Target-Datendiebstahl
Eines der berüchtigtsten Beispiele für Risikomanagement bei Drittanbietern ist der Datendiebstahl bei Target im Jahr 2013. Ein HLK-Unternehmen, ein externer Dienstleister von Target, wurde Opfer eines Phishing-Angriffs. Die Cyberkriminellen erlangten die Zugangsdaten des Unternehmens für das Target-Netzwerk und ermöglichten so den Einbruch. Schließlich gelang es ihnen, Schadsoftware auf dem Kassensystem von Target zu installieren und Kredit- und Debitkarteninformationen von fast 40 Millionen Kunden zu stehlen.
Dieser Vorfall hat gezeigt, dass Schwachstellen in Systemen von Drittanbietern unabhängig von der Sicherheit der eigenen Systeme als Einfallstor für Angriffe dienen können. Dies unterstreicht die Notwendigkeit einer umfassenden und kontinuierlichen Überwachung der Cybersicherheitspraktiken von Drittanbietern.
Beispiel 2: Der Capital-One-Hack
Im Jahr 2019 erlitt Capital One einen massiven Datendiebstahl, von dem über 100 Millionen Menschen betroffen waren. Cyberkriminelle nutzten eine fehlerhaft konfigurierte Firewall in einer Webanwendung, die von einem externen Cloud-Dienstleister gehostet wurde, um auf Kundendaten zuzugreifen. Zu den offengelegten Informationen gehörten 140.000 Sozialversicherungsnummern, 1 Million kanadische Sozialversicherungsnummern und 80.000 Bankkontonummern.
Daraus lassen sich zwei wichtige Lehren ziehen. Erstens: Selbst bei der Nutzung seriöser Cloud-Service-Anbieter sind angemessene Sicherheitsmaßnahmen auf Kundenseite unerlässlich. Zweitens: Interne menschliche Fehler, wie beispielsweise Fehlkonfigurationen, können die Cybersicherheit gefährden.
Beispiel 3: Der Angriff der Solar Winds auf die Orion-Plattform
Der Angriff auf die SolarWinds Orion-Plattform im Jahr 2020 gilt als eines der berüchtigtsten Beispiele für mangelhaftes Drittanbieter-Risikomanagement. Es handelte sich nicht nur um einen Datendiebstahl, sondern um einen orchestrierten Angriff auf die Lieferkette. Cyberkriminelle schleusten Schadcode in die Software-Updates der Orion-Plattform ein. Als Unternehmen, darunter mehrere Fortune-500-Konzerne und Regierungsbehörden, ihre Systeme aktualisierten, wurde die Schadsoftware in deren Netzwerken verbreitet, und die Cyberkriminellen konnten diese nach Belieben ausnutzen.
Die Lehre daraus ist zweifach: Lieferkettenangriffe gefährden mehrere Organisationen gleichzeitig und verdeutlichen die Notwendigkeit eines strengen Risikomanagements für Drittanbieter. Zudem ist die Gewährleistung sicherer Aktualisierungsverfahren entscheidend, um solche weitreichenden Bedrohungen abzuwehren.
Implikationen und Strategien für das Drittparteienrisikomanagement
Die zuvor genannten Beispiele zum Risikomanagement von Drittparteien dienen Unternehmen als Lehren. Sie verdeutlichen, dass Drittparteirisiken vielfältig sind und eine wirksame Risikominderung eine vielschichtige Strategie erfordert. Die folgenden Strategien könnten sich als hilfreich erweisen:
- Überprüfung aller Drittanbieter: Eine umfassende anfängliche und fortlaufende Überprüfung aller Drittanbieter, um deren Cybersicherheitsmaßnahmen und ihr Engagement für bewährte Verfahren zu beurteilen, ist unerlässlich.
- Einsatz von Sicherheitstechnologien: Der Einsatz modernster Sicherheitstechnologien zur Echtzeit-Bedrohungserkennung und -abwehr kann dazu beitragen, Risiken proaktiv zu erkennen und zu mindern.
- Planung der Reaktion auf Sicherheitsvorfälle: Ein Plan zur Reaktion auf Sicherheitsvorfälle gewährleistet schnelles Handeln im Falle einer Sicherheitsverletzung und minimiert so potenzielle Schäden.
- Regelmäßige Audits: Durch regelmäßige Audits können Sicherheitslücken oder Schwachstellen in den Systemen oder Prozessen eines Drittanbieters aufgedeckt werden.
- Vertragliche Vereinbarungen: Die Aufnahme von Cyberrisikoklauseln in Verträge mit Dritten kann eine zusätzliche Sicherheitsebene bieten.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Bedeutung eines effektiven Drittanbieter-Risikomanagements für die Cybersicherheit nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Wie die angeführten Beispiele zeigen, kann die Vernachlässigung dieses Themas zu erheblichen Datenpannen und -verlusten führen. Mit einer effektiven Drittanbieter-Risikomanagementstrategie können Unternehmen ihre Cyberrisiken deutlich reduzieren und ihre Vermögenswerte vor der wachsenden und sich ständig verändernden Bedrohungslandschaft schützen.